Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
Claudia Hake

Digitale Geisteswissenschaften

Die Bibliothek ist traditionell das Ideenlabor der Geisteswissenschaften. Die SUB Göttingen hat hierbei einen besonderen Schwerpunkt in den Digitalen Geisteswissenschaften.

Was sind Digital Humanities?

Unter Digitalen Geisteswissenschaften (Digital Humanities, DH) versteht man ein interdisziplinäres Forschungsfeld, das klassische Fragestellungen geisteswissenschaftlicher Disziplinen mit digitalen Methoden, Daten und Werkzeugen verknüpft – etwa Digitale Editionen, linguistische Korpora, Annotationstools oder text- und sprachbasierte Analyseverfahren. Diese Ansätze eröffnen neue Perspektiven auf Quellen, erlauben großskalige Analysen und schaffen innovative Formen des wissenschaftlichen Arbeitens.

An der SUB Göttingen ist dieser Schwerpunkt institutionell und praktisch stark verankert. Die SUB treibt die Verzahnung von geisteswissenschaftlicher Forschung und digitaler Infrastruktur voran und unterstützt Forschende und Studierende bei der Nutzung, Erstellung und nachhaltigen Veröffentlichung digitaler Forschungsdaten sowie von Werkzeugen und Workflows für DH-Projekte.

Infrastrukturen für die Digital Humanities

DARIAH-DE Coordination Office

Ein zentrales Element dieser Arbeit ist das DARIAH-DE Coordination Office, das an der SUB Göttingen angesiedelt ist. In dieser Funktion koordiniert die Bibliothek den deutschen Beitrag zur Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities (DARIAH-EU), einem Verbund zur Entwicklung nachhaltiger digitaler Forschungsinfrastrukturen für die Geistes- und Kulturwissenschaften und Teil der europäischen DARIAH-Community. Dieses Engagement fördert den Austausch von Methoden, Daten und Werkzeugen sowie die Vernetzung von Forschungsgruppen über Disziplin- und Landesgrenzen hinweg.

Text+

Ein weiterer zentraler Baustein ist das NFDI-Konsortium Text+. Text+ fokussiert auf text- und sprachbasierte Forschungsdaten, einschließlich Sammlungen, lexikalischer Ressourcen und Editionen, und arbeitet daran, Daten, Werkzeuge und Dienste für Forschende geistes- und sozialwissenschaftlicher Disziplinen langfristig nutzbar, interoperabel und FAIR bereitzustellen. Die SUB Göttingen wirkt dabei sowohl als Partnerinstitution als auch als Daten- und Kompetenzzentrum.

Digitale Editionen

Digitale Editionen spielen eine zentrale Rolle als Herzstück vieler Digital-Humanities-Aktivitäten. Sie ermöglichen nicht nur die digitale Bereitstellung historischer Quellen, sondern deren wissenschaftliche Erschließung, Kommentierung und Vernetzung in bislang nicht möglichem Umfang. Durch die Kombination von Standards wie TEI-XML, nachhaltigem Forschungsdatenmanagement und offenen Publikationsformaten entstehen Editionen, die nachnutzbar, zitierfähig und langfristig verfügbar sind. 

Die SUB Göttingen unterstützt Forschende und Studierende bei der Konzeption, Umsetzung und Publikation digitaler Editionen – von der Datenmodellierung über Workflows und Tools bis hin zur langfristigen Sicherung in verlässlichen Infrastrukturen. So trägt sie dazu bei, dass digitale Editionen nicht nur Forschungsergebnisse sichtbar machen, sondern selbst zu dynamischen Forschungsumgebungen werden, in denen neue Fragestellungen, Analysen und Formen der Zusammenarbeit möglich sind. Zentral ist dabei das TextGrid Repository, ein Langzeitarchiv für geisteswissenschaftliche Forschungsdaten, das nach international anerkannten FAIR-Prinzipien betrieben wird und Forschenden ermöglicht, ihre Daten suchbar, zitierfähig und wiederverwendbar bereitzustellen.

Für Sie als Forschende und Studierende bedeutet das: Die SUB Göttingen bietet nicht nur klassischen Medienzugang, sondern ein wachsendes Portfolio an digitalen Sammlungen, Datenservices, Beratung zu Forschungsdatenmanagement und DH-Methoden, Schulungen sowie Zugang zu nationalen und internationalen Infrastrukturangeboten. So wird die Bibliothek zu einem aktiven Knotenpunkt für innovative geisteswissenschaftliche Forschung im digitalen Zeitalter – ein Ort, an dem Methodenkompetenz, technologische Expertise und wissenschaftliche Neugier zusammenfinden.

Kontakt

Dr. Daniel Kurzawe

Stellvertretende Abteilungsleitung Forschung und Entwicklung

Papendiek 14

37073 Göttingen