EDIKILEX
EDIKILEX: Edition, künstliche Intelligenz und Lexikographie. Interdisziplinäre Zugänge und digitale Methoden im Umgang mit frühneuhochdeutschen Texten
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Art und Weise, wie Forschende in den Geisteswissenschaften arbeiten, grundlegend. Doch eine große Herausforderung bleibt: historische Sprachstufen, wie etwa das Frühneuhochdeutsche, sind für moderne KI-Modelle extrem schwierig zu „verstehen“. Das liegt vor allem daran, dass es sich um sogenannte Low Resource Languages handelt – es gibt schlichtweg zu wenig digitale Datenmaterialien. Zudem gab es damals keine einheitliche Rechtschreibung oder eine feste Standardvariante der Sprache, wie wir sie heute kennen.
Bisherige Ansätze der Computerlinguistik funktionieren hervorragend bei modernen, normierten Sprachen, stoßen aber bei historischen Texten an ihre Grenzen. Es ist bislang nicht gelungen, ein System zu schaffen, das die Bedeutung von Wörtern (Semantik) so präzise erfasst, dass es die wissenschaftliche Textausgabe (Edition) und die Wörterbucherstellung (Lexikographie) intelligent miteinander verknüpft.
Hier setzt das Verbundprojekt EDIKILEX an. Unser Ansatz ist radikal interdisziplinär: Informatik, Computerlinguistik und Informationswissenschaft liefern nicht mehr nur die „Werkzeuge“, und die Geisteswissenschaften nicht mehr nur die „Texte“. Stattdessen verschmelzen die Disziplinen zu einer engen Einheit.
Wir setzen auf eine sogenannte „hybride Intelligenz“:
Vom Menschen zur Maschine: Die Experten der Geisteswissenschaften nutzen ihre Fähigkeit zur Interpretation als „Kulturtechnik“, um der KI genau die Informationen beizubringen, die sie für die jeweilige Aufgabe benötigt.
Von der Maschine zum Menschen: Im Gegenzug ermöglicht die KI die Analyse von Datenmengen, die für menschliche Forscher allein nicht mehr zu bewältigen wären, und eröffnet so völlig neue Perspektiven für die Forschung.
Durch die bidirektionale Verbindung von KI-Ergebnissen und Expertenwissen schaffen wir einen Mehrwert für alle beteiligten Fachbereiche. Wir verbinden die Edition eines Textes direkt mit einem Wörterbuch und setzen so neue Impulse für die Forschung.
Da dieser Zusammenschluss verschiedener Disziplinen die Art und Weise, wie wir Texte edieren und Wörterbücher erstellen, grundlegend verändern wird, begleiten wir den gesamten Prozess in einem speziellen „Reflexionsmodul“. So können wir die Entwicklung kritisch hinterfragen und optimieren. Mit EDIKILEX leisten wir einen wesentlichen Beitrag dazu, die vorhandene Expertise in Niedersachsen zu vernetzen und die digitale Infrastruktur der Geisteswissenschaften zukunftsfähig zu machen.
Externe Partner
- Universität Hildesheim
- Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel